Vitamin D

 

Vitamin D steuert mehrere hundert Gene in unseren Zellen, fast jede Körperzelle verfügt über Vitamin-D-Rezeptoren. Damit beeinflusst Vitamin D fast alle Bereiche unserer Gesundheit. Angefangen von der Gesundheit der Organe und des Herz-Kreislaufsystems, über das Immunsystem bis hin zu Muskeln, Nerven und Gehirn.

Die Hauptquelle für Vitamin D ist das Sonnenlicht. Unter dem Einfluss von UVB-Strahlen wird in der Haut Vitamin D gebildet. Lebensmittel sind für die Vitamin-D-Versorgung eher zweitrangig. Damit kann über eine ausgewogene gesunde Ernährung der Bedarf an Vitamin D nicht gedeckt werden, für die restlichen Vitamine besteht dieses Problem nicht! Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und kann darum vom Körper gut im Fettgewebe und in Muskeln gespeichert werden.

Symptome und Folgen bei Vitamin D Mangel

Durch den Präsenz von Vitamin D Rezeptoren in fast allen Körperzellen, können die langfristigen Folgen eines Vitamin-D-Mangels fast alle Bereiche unserer Gesundheit betreffen. Ein Vitamin D Mangel hat Auswirkungen auf die Zell- und Knochengesundheit, es kann zu Symptomen des Herz-Kreislaufsystems und von Nerven und Gehirn führen. Vitamin D hat einen großen Einfluss auf das Immunsystem, was z.B. zu einer starken Infektanfälligkeit insbesondere im Winter führen kann. Vitamin D steht auch im Zusammenhang mit dem Auftreten von Muskelschwäche und Muskelschwund, denn Vitamin D stärkt die Muskelkraft und fördert zugleich die neuromuskuläre Koordination. Studien zeigen zudem Hinweise auf die Verbindung von Vitamin D Mangel und Depressionen.

 

Neben einer Reihe von chronischen Krankheiten als Folge eines langjährigen Vitamin D Mangels, könne folgende Symptome, die wir an uns in unserem Alltag merken, einen Hinweis auf einen Vitamin D Mangel geben:

 

  • Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Infektanfälligkeit

  • unruhiger Schlaf, Depressivität

  • Muskelzucken und Muskelschmerzen, -krämpfe

  • Ganzkörperbeschwerden, Gelenkschmerzen

Vitamin D Stoffwechsel

In der Haut wird durch die direkte Sonneneinstrahlung (UVB-Strahlung) das sog. Provitamin D3 (HWZ von 24 Stunden) hergestellt, bzw. es wird oral zugeführt. Damit es als Hormon wirken kann, wird es von speziellen Enzymen in zwei getrennten Schritten in das aktive Vitamin-D-Hormon umgewandelt.

Diese Umwandlung in 2 Schritten erfolgt zum einen streng hormonell gesteuert in Leber und Niere (endokrin) und zum anderen lokal und unabhängig in den Zellen selbst (parakrin).

 

Hormonelle gesteuerte Vitamin D Aktivierung (endokrin):

Das Provitamin D3 wird mit dem Blutstrom in die Leber transportiert und dort zum Vitamin D3 (Calcidiol, HWZ von 3 Wochen) umgewandelt, was selbst keine hormonelle Wirkung besitzt. 

Je nach Bedarf wird dieses Calcidiol in der Niere aktiviert und erreicht somit seine eigentlich wirksame Form als Hormon, dem Calcitriol (HWZ von wenigen Stunden).

Der endokrine Weg ist von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines konstanten Calciumspiegels im Blut und für die Knochengesundheit.

 

Vitamin D Aktivierung in den Zellen (parakrin):

Das Provitamin D3 (HWZ von 24 Stunden!) gelangt in die Zelle und wird dort in 2 Schritten zum hormonell wirksamen Vitamin D umgewandelt.

Da Vitamin D nachweislich sehr viele Gene steuert, ist die parakrine Aktivierung von Vitamin D (individuell und zellulär) von großer Bedeutung für die Wirkung im Immunsystem, Gehirn und Nervensystem.

Für diese wichtige zelluläre Funktion des Vitamin D ist aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Provitamin D3 eine tägliche Zufuhr von Vitamin D3 notwendig – unabhängig davon wie hoch der im Blut gemessene Vitamin D Wert (die Zirkulationsform Calcidiol mit einer HWZ von 3 Wochen wird gemessen) ist.

 

​Fazit:

  • für eine gute zelluläre Funktion und für die Knochengesundheit ist die tägliche Zufuhr von Vitamin D3 notwendig, eine wöchentliche Zufuhr von Vitamin D3 ist wirksam für Knochengesundheit, jedoch von Nachteil für die anderen Funktionen von Vitamin D3

Vitamin D und Knochengesundheit

Calcium und Phosphat sind die wichtigsten Baustoffe unserer Knochen, sie sorgen für die notwendige Festigkeit des Knochens. Calcium ist zudem unentbehrlich für die Funktion von Muskeln (u.a. Herzmuskel) und Nerven. Aufgrund dieser zentralen Bedeutung des Calciums, ist der Körper bemüht, den Calciumspiegel stets konstant zu halten. 

Für einen ausgeglichen Calciumspiegel im Blut braucht es neben einer ausreichenden Zufuhr über die Nahrung (1000mg/d) auch einen ausreichenden Vitamin D Spiegel im Blut (>40ng/l). Das Vitamin D Hormon führt zur vermehrten Aufnahme von Calcium im Darm und zur Calcium-Rückgewinnung in der Niere. Zudem reguliert Vitamin D viele Proteine, die für den Knochenaufbau wichtig sind.

Sinkt der Calcium-Spiegel im Blut, wird vermehrt das Parathormon (PTH) aus der Nebenschilddrüse ausgeschüttet (sekundärer Hyperparathyreoidismus).

Das PTH führt zur Freisetzung von Calcium und Phosphat aus dem Knochengewebe und zur Aktivierung von Vitamin D, was zur verstärkten Calciumaufnahme aus dem Darm führt.

 

Somit kann sowohl eine mangelnde Zufuhr von Calcium, als auch ein Vitamin-D-Mangel zu einem Abbau der Knochen führen. Man spricht dann von einer Osteoporose, wenn es durch einen krankhaft erhöhten Knochenabbau zu einem Verlust von Knochenmasse kommt.

Somit ist ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel ein wichtiger Faktor der Prävention von Osteoporose. 

 

Fazit:

  • tägliche Aufnahme von mindestens 1000mg Calcium 

  • Vitamin-D-Blutspiegel von mindestens 40 ng/ml

Vitamin D Kofaktoren

Magnesium Ist nötig für alle Umwandlungsschritte des Vitamin D. Entsprechend kann Vitamin D bei einem Mangel an Magnesium nicht in seine aktiven Formen umgewandelt werden.

Vitamin K2 fördert den Einbau von Calcium in die Knochenmatrix. D.h. ohne Vitamin K2 kann das durch Vitamin D aufgenommene Calcium nicht korrekt verwertet werden, was zu Calcium-Ablagerungen in Gefäßen und Organen führen kann.

Insbesondere in der Anfangstherapie (Auffüllungsphase) einer Vitamin D Therapie kann es durch die hohen Einnahmen von Vitamin D zu einem relativen Mangel an Magnesium und Vitamin K2 kommen.

 

Fazit:

  • zusätzlich sollten Magnesium (200mg) und Vitamin K2 (100-200µg) eingenommen werden, insbesondere in der Auffüllungsphase einer Vitamin D Therapie

Vitamin D Mangel

Verschieden Studien zeigen, dass die Vitamin D Versorgung der in Deutschland lebenden Menschen mit gemessenen Durchschnittswerten von 20 µg/l und darunter (Normwert: 30-100 µg/l) zu niedrig ist. Etwa 80 Prozent der Nordeuropäer leiden an einer Unterversorgung mit Vitamin

 

Ursachen eines Vitamin D Mangels:

Da 80-90% des Bedarfs an Vitamin D über die körpereigene Produktion durch die Sonne abgedeckt wird und die Vitamin D Aufnahme über die Nahrung eine untergeordnete Rolle spielt, ist Sonnenmangel (z.B. durch Aufenthalt in Räumen, Nutzen von Sonnenschutzmitteln, Verschleierung) die häufigste Ursache für einen Vitamin-D-Mangel. 

 

Weitere Ursachen:

  • Hauttyp: Je dunkler die Haut, desto mehr Sonne ist nötig, um ausreichend Vitamin D zu produzieren.

  • Alter: Im Alter lässt die Fähigkeit der Haut zur Vitamin-D-Bildung um bis zu 70 Prozent nach.

  • Hautkrankheiten: Schuppenflechte reduziert z.B. die Vitamin-D-Bildung.

  • Geografische Lage: Für die Synthese von Vitamin D in der Haut sind UVB-Strahlen notwendig. Wenn man nördlich des Breitengrades von Barcelona lebt (ca. 42. Breitengrad), dann kann der Körper nur in den Sommermonaten ausreichend Vitamin D produzieren, weil im Rest des Jahres die benötigten UVB-Strahlen aufgrund des zu flachen Einfallwinkels der Sonne nicht in der passenden Menge bis auf die Erde gelangen (UV-Index muss größer 3 sein!).

  • Aufnahmestörungen von Vitamin D durch Krankheiten von Magen und Darm, 

  • Verwertungsstörungen von Vitamin D bei Leber- und Nierenschäden 

  • Einige Medikamente können die Vitamin-D-Regulation stören: 

       Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin), Zytostatika (Cyclophosphamid, Tamoxifen), freiverkäufliche                    Phytopharmaka (Johanniskraut, Kava Kava), …

Wieviel Sonne braucht man täglich?

Für die Synthese von Vitamin D in der Haut sind UVB-Strahlen notwendig. Wenn man nördlich des Breitengrades von Barcelona lebt (ca. 42. Breitengrad), dann kann der Körper nur in den Sommermonaten ausreichend Vitamin D produzieren, weil im Rest des Jahres die benötigten UVB-Strahlen aufgrund des zu flachen Einfallwinkels der Sonne nicht in der passenden Menge bis auf die Erde gelangen. 

Die für die Vitamin-D-Bildung notwendigen UVB-Strahlen sind erst ab einem UV-Index höher als 3 ausreichend gegenwärtig.

 

Tipp: Um einfach herausfinden, ob der Einfallswinkel der Sonne für die Vitamin-D-Bildung ausreicht oder nicht, stellt man sich in die Sonne und betrachtet den eigenen Schatten. Ist der Schatten so lang wie man selber gross ist oder ist er gar länger, dann ist keine Vitamin-D-Bildung möglich. Ist der Schatten hingegen kürzer, dann kann die Vitamin-D-Bildung angekurbelt werden.

 

Um eine ausreichende Vitamin-D-Bildung in der Haut zu erreichen, müsste man in Shorts und mit unbedeckten Armen 45 Minuten am Tag in der Sonne stehen; wenn man älter als 70 ist, steigt diese Zeit auf das dreifache. Zu viel Vitamin D durch Sonne ist also nicht möglich.

 

Hilft das Sonnenstudio?

Da die Mehrzahl der Sonnenbänke nur UVA-Licht liefern und die körpereigene Vitamin D-Bildung nur durch kurzwellige UVB Strahlung entsteht, ist es wichtig, dass man im Sonnenstudio nach einer Kabine mit UVB Strahlen fragt und diese dann auch nutzt.

Vitamin D Werte und Einheiten

Bei der Messung des Vitamin D Gehaltes im Blut werden zwei verschiedene Einheiten (ng/ml und nmol/l) verwendet, was für einige Verwirrung sorgen kann. Der Umrechnungsfaktor beträgt 2,496

·                                                                            ng/ml x 2,496 = nmol/l

 

Der Vitamin-D-Gehalt von Präparaten oder Lebensmitteln wird in folgenden 2 Einheiten angegeben: 

  • IE = Internationale Einheiten (engl. IU)

  • Mikrogramm (mcg)

 

Die beiden sind jedoch leicht ineinander umwandelbar:

  • 1 mcg Vitamin D = 40 IE

  • 0,025 mcg Vitamin D = 1 IE Vitamin D

 

Beispiel: 1000 IE / 40 = 25 µg Vitamin D

Welche Vitamin D-Spiegel im Blut sind ausreichend?

Die Vitamin D Spiegel verschiedener ethnischer Gruppen wurden untersucht, die auf eine sehr ursprüngliche Art leben oder ein natürliches Verhältnis zur Sonne haben (indigene Völker). Die Ergebnisse zeigen, dass optimale Vitamin-D-Werte zwischen 40 und 60 ng/ml (100 und 150 nmol/l) anzunehmen sind. 

 

Vitamin D Präparate

Das Vitamin D wird meist aus dem tierischen Produkt Lanolin (Wollwachs, Wollfett) gewonnen, einem Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen, dass aus Wolle extrahiert wird.

Eine weitere Quelle für Vitamin D sind Flechten, so dass auch für Veganer eine pflanzliche Vitamin-D3-Option existiert.

Vitamin-D-Präparate gibt es in sehr verschiedenen Darreichungsformen, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben, und zwar Vitamin D in Form von Öl-Tropfen, Tabletten, Kapseln und Weichkapseln/ Softgels.

Gesetzeslage zur Kostenübernahme für Vitamin D-Präparate bis 1000 I.E. Vit. D3

Die Kosten für nicht verschreibungspflichtige Vitamin D-Präparate bis zu einer Tagesdosis von 1.000 I.E. Vitamin D3, werden von den gesetzlichen Krankenkassen nur bei folgenden Indikationen übernommen (siehe Anlage I der Arzneimittel-Richtlinie):

  • Patienten mit manifester* Osteoporose (mit Frakturen ohne adäquates Trauma) 

  • Patienten die über ein halbes Jahr 7,5 mg Prednisolonäquivalent (Kortison) einnehmen müssen 

  • Patienten, die eine Bisphosphonattherapie erhalten, gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit. 

 

*Bei einer mittels Knochendichtemessung diagnostizierten Osteoporose ohne Vorliegen eines Knochenbruchs handelt es sich um präklinische Osteoporose. Von einer manifesten Osteoporose spricht man, wenn schon osteoporotische Knochenbrüche aufgetreten sind. 

Die manifeste Osteoporose ist in jedem Fall behandlungsbedürftig, bei der sog. präklinischen Osteoporose reicht unter Umständen eine gezielte Vorsorge (Prophylaxe) aus.

 

 

Gesetzeslage zur Kostenübernahme für Vitamin D-Präparate > 1000 I.E. Vit. D3

Verschreibungspflichtige hoch dosierte Vitamin D-Präparate (> 1.000 I.E., z.B. Dekristol ®) können zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen zur Behandlung verordnet werden. Sie sind jedoch nur zugelassen beispielsweise zur einmaligen Anwendung bei Vitamin D-Mangelzuständen.